Naturheilpflanzen 55. Folge

Enzian (Gentiana lutea)

Der gelbe Enzian wächst im hohen Gebirge auf Wiesen, vornehmlich in den Zentralalpen und anderen Gebirgen Mittel- und Südeuropas. Er sieht ganz anders aus als der schöne blaue Enzian, den wir als Gebirgsblume alle kennen. Er ist sehr viel größer, 1,00 m (100 cm) und mehr mit breiten, kräftig gerippten Blättern. Die Pflanze wächst sehr langsam und blüht erst mit zehn Jahren, kann aber 40 bis 60 Jahre alt werden. Die Blüten sind gelblich, stehen in den Achseln der oberen Blätter und sind im Verhältnis zu den blauen großen Enzianblüten recht unscheinbar. Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Gentiana lutea ist geschützt.

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Medizinisch verwandt wird die Wurzel. Es ist eine große, kräftige Fahlwurzel die weit in den Bodenhineinreicht. Sie schmeckt bitter, nimmt man ein kleines Stück in den Mund , so wird man den bitteren Geschmack stundenlang nicht los. Diese Enzian-Wurzel ist die Droge, die man in kleingeschnittenen Stückchen erhält. Sie stammt heute ausschliesslich aus kulturellen Anbau. Es wird ein bitteres und verdauungsanregendes Tonikum gewonnen. Er wird eingesetzt gegen Müdigkeit, Untergewicht, Blutarmut und Appetitmangel. In der Volksmedizin findet er Anwendung gegen Fieber, Gicht, Malaria und Darmparasiten.

Für den Garten: Wer einen Garten in den Alpen bei einer Höhe von 2500 m besitzt, kann es versuchen. Der Gelbe Enzian ist kalkliebend und bevorzugt Weiden-, Block- oder Karflure die wenigstens zeitweise feucht sind.

 

Am 15. Oktober 1975 erschien im Rahmen der jährlich von der Deutschen Bundespost ausgegebenen Wohlfahrtsmarken eine Abbildung des Gelben Enzians als Motiv.EnzianJPG                                                                                         de.wikipedia.org

Naturheilpflanzen 54. Folge

Gemeiner Lein (Linum usitatissimum), auch Saat-Lein oder Flachs

Der Lein ist eine wirklich wertvolle Pflanze. Er liefert uns in den langen Stängeln den Faserlein, aus den das Leinen gewirkt wird. Medizinisch verwandt werden die Leinsamen (Semen lini).
Sie enthalten das fette Leinöl und auderdem reichlich Schleim. Das Leinöl wird aus dem Samen abgepresst. Was dann zurückbleibt, ist der sogenannte Leinkuchen. In ihm sind außer Resten des Öles vor allem noch die Schleimstoffe enthalten. Der Gemeine Lein hat eine Wuchshöhe von 20 cm (0,20 m) bis 100 cm (1,00 m). Die Blüte erfolgt im Zeitraum von Juni bis August. Lein stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden, lediglich nasse, verschlämmungsgefährdete und moorige Standorte verträgt er nicht. Wichtig ist eine gute Wasserversorgung von rund 120 Millimeter Niederschlag in der Hauptwachstumsphase im Mai/Juni. Die ältesten Funde der Leinenverarbeitung sind Leinenstoffe aus Ägypten aus dem Beginn des 4. Jahrtausends v. Chr.

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Für den Garten: Weniger geeignet!

Medizinisch wurde der Lein zur Abführung aus dem Darm verwendet. Dazu nimmt man morgens und abends ein bis zwei Esslöffel voll Öl. 2005 war der Lein in Deutschland die Heilpflanze des Jahres.

Naturheilpflanzen 53. Folge

Echter Hafer oder Saat-Hafer (Avena sativa)
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Wer kennt sie nicht? Haferschleimsuppe, nahrhaft, leicht verdaulich und gut verträglich. „Ein tüchtiges Sieden entzieht den Haferkörnern – auf gleiche Weise kann Gerste behandelt und gebraucht werden – die innen wohnende Kraft. Solches Getränk, bekömmlich, aufbauend, kühlend bei vorhandenen inneren Hitzen, ist für Rekonvaleszenten, die zum Beispiel durch die Blattern, durch den Typhus und anderen ähnlichen Krankheiten übermäßig entkräftet und geschwächt wurden ein vorzügliches Nährmittel, ein wahres Labsal.“ Hafer ist eine krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 0,60 m ( 60 cm) bis 1,50 m (150 cm) erreicht. Der früheste Nachweis für den Haferanbau ist durch die bronzezeitlichen Pfahlbausiedlungen in der Schweiz belegt. Bereits die Germanen schätzten den Hafer. Die Römer bezeichneten die Germanen verächtlich als Haferfresser. Die Bedeutung des Hafers wird auch darin deutlich, dass er in deutschen Familiennamen vorkommt, z.B. Haferkamp. Um etwa 5000 v. Chr. sind die ältesten Nutzungsnachweise von Hafer in Polen und der nördlichen Schwarzmeerregion zu finden. Die ersten Nutzungsbelege in Mitteleuropa lassen sich auf 2400 v. Chr. datieren. In Deutschland war Hafer bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts nach Roggen die wichtigste Getreideart. Heute ist der Haferanbau in Deutschland gegenüber den anderen Getreidearten von untergeordneter Bedeutung.
 
Produkte des Hafers sind Stroh, Haferflocken, Hafermilch, Hafermehl, verschiedene Extrakte für die Medizin, eine Chemikalie, die aus den Spelzen gewonnen wird. Haferflocken können roh oder gekocht verzehrt werden und sind leicht verdaulich. Weiterhin lassen sich aus ihnen Hafergrütze und Hafermehl herstellen. In der Schon- und Diätkost werden mit Hafer verschiedene Beschwerden behandelt. Dazu zählen, Magen-Darm-Leiden, Gallen- und Nierenerkrankungen sowie Rheuma- und Kreislaufbeschwerden. Der regelmäßige Genuss von Hafer bzw. Haferkleie, z. B. in Form von Haferflocken, kann den Cholesterinspiegel des Blutes senken. Haferstrohbäder helfen gegen Hautverletzungen. Haferextrakte oder Hafersaft werden auch in der Raucherentwöhnung verwendet. Die Ballaststoffe sind wahrscheinlich dafür verantwortlich, dass Hafer cholesterinsenkend und gegen Arterienverkalkung wirkt. Der beruhigende Effekt des Hafers beruht auf dem im Hafer enthaltenen Gramin.
 
Für den Garten: Ungeeignet, Hafer bevorzugt ein gemäßigtes Klima mit hohen Niederschlägen. Sein Anbau findet in den Mittelgebirgen, im Alpenvorland und in den Küstenregionen statt.
 
Guten Appetit!

Naturheilpflanzen 52. Folge

Tanne und Fichte (Abies alba und Picea excelsa) auch Edeltanne oder Silbertanne

„Da sagen wir nun, dass in den Tannen eine ungemein große Heilkraft verborgen liegt. Es ist dies keine leere Behauptung. Nein, ich habe dieses Mittel an den vielen Leidenden erprobt, die Jahr für Jahr nach Wörishofen kommen. Darum liebe Leser kann ich euch den Wert der Tannenzapfen nicht genug ans Herz legen und euch empfehlen, auch diesen ein Plätzchen in der Hausapotheke einzuräumen.“ (Zitat von Kneipp)

Medizin und Heilkraft: Bereits seit der Antike wird die Weiß-Tanne als Arznei- und Heilpflanze genutzt. In der mittelalterlichen Kräutermedizin galt die Art als Symbol der Kraft. Es wurden vor allem die Nadeln, Triebe, Zapfen, Samen sowie das Harz genutzt. Das Harz wurde verwendet, um die Wundheilung zu beschleunigen und Rheuma zu behandeln. Es wurde ihm auch durchblutungsfördernde Wirkung zugeschrieben. Das Kauen des Harzes sollte das Zahnfleisch festigen und gegen Zahnverfall helfen. Aufgüsse, so genanntes „Tannenbier“, wurden im 16. und 17. Jahrhundert gegen Skorbut verabreicht. Sebastian Kneipp empfahl Tannentee aus frischen Trieben, um den Auswurf bei Husten und Verschleimung zu fördern und die Lunge zu stärken. Aus den Zapfen wurde durch Wasserdampfdestillation Templinöl gewonnen, welches äußerlich gegen Bindehautentzündungen, Blutergüsse, Muskelkater sowie Muskelzerrungen eingesetzt wurde. Die Weiß-Tanne war im Jahr 2004 Baum des Jahres in Deutschland.

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Für den Garten: Die Weiß-Tanne vermehrt sich nur über Samen, jedoch Stecklingsbewurzelungen sind möglich. Günstige Böden, für die Ansamung von Weiß-Tannen sind mäßig frische und humusreiche Oberböden mit einer lockeren oder deckenden Moosschicht. Vor allem auf kalten, nassen und tonigen Böden ist die Weiß-Tanne allen anderen heimischen Baumarten überlegen. In schattigen Lagen verläuft das Wachstum sehr langsam, darum sollte ein Platz gewählt werden, der viel Sonne am Tag abbekommt.

Aber nicht vergessen, die Wuchshöhe liegt bei 30,00 m (3000 cm) und kann bei sehr guten Bedingungen, auch bis über 60,00 m (6000 cm) betragen. Die Art kann ein Höchstalter von 500 bis 600 Jahren erreichen.

Naturheilpflanzen 51. Folge

Salbei (Salvia officinalis) auch Garten-Salbei, Küchensalbei, Wiesensalbei oder Heilsalbei

„Wer ein Gärtchen beim Hause hat, wird, wenn er es neu anlegt, den Salbeistock nicht vergessen; er ist eine hübsche Zierpflanze.“ (Zitat von Kneipp) Aber auch als Heilpflanze ist der Salbei uralt und bewährt. Die Blüten sind bläulich, verhältnismäßig klein, jedenfalls weit unscheinbarer als bei unserer schön und groß blaublühenden Wiesensalbei.SalbeiJPG Der Salbei wird ein bis 80 cm (0,80 m) hoher Halbstrauch seiner Gattung. Die immergrüne Gewürz- und Heilpflanze stammt aus dem Mittelmeerraum, ist aber über die Jahrhunderte in ganz Europa verbreitet. Die Verwendung von Salbei als Heilmittel hat eine lange Tradition. Als Gewürz hielt er erst im Mittelalter Einzug in unsere Küche, geriet jedoch rasch in den Ruf, zu den Kräutern zu gehören, die das Ranzigwerden von Fetten verhindern.
 
Die Ärzte und Heilkundigen des Mittelalters schätzten den Salbei jedoch auch aus anderen Gründen. Sie verwendeten ihn bei akutem Fieber, Harnwegsleiden, Koliken, Erkältungen und Zahnschmerzen. Dem Salbei sagte man eine desinfizierende und konservierende Wirkung nach. So wurden die Zimmer, in denen sich Schwerkranke aufhielten, dadurch gereinigt, dass man Salbeiblätter auf Kohle verbrannte. Salbei gehörte früher auch zu den Mitteln, die Schwangeren helfen sollten. So empfahlen die Hebammen in ihrem 1671 erschienen Geburtshandbuch, dass eine Schwangere jeden Morgen ihren Körper mit einem mit Salbei gewürzten Ale stärken solle. Auch Hippokrates verwendete Salbei als Uterus-Heilmittel. Während der großen Pestepidemie von Toulouse im Jahre 1630 begannen Diebe ohne Furcht vor Ansteckung die Leichname auszuplündern. Sie wurden gefasst und die Ratsherren schenkten ihnen für die Preisgabe ihres Geheimnisses das Leben. Sie verwendeten in Essig eingelegten Salbei und ein wenig andere Zutaten wie Thymian, Lavendel und Rosmarin. Zum Schutz vor der Pest rieben sie sich damit den ganzen Körper ein. Ein Jahrhundert später in Marseille bewährte sich diese Methode, als andere Gauner diesem Beispiel folgten.
Für den Garten: Der Salbei ist wie schon anfangs erwähnt eine schön aussehende Zierpflanze, die man unbedingt anpflanzen sollte. Salbei ist eine Pflanze der Bauern. Alle seine Pflanzenteile haben einen starken aromatischen Geruch. Als wärmeliebende Pflanze ist er in Mitteleuropa nur bedingt winterhart und benötigt in klimatisch rauen Lagen Winterschutz. Er ist daher wenig konkurrenzfähig zu Wildpflanzen und nur selten verwildert anzutreffen. Der Echte Salbei gedeiht am besten auf kalkreichem, steinigem und trockenem Boden und blüht von Mai bis Juli.