Naturheilpflanzen 50. Folge

Steckrose (Althaea rosea) auch Stockmalve, Pappelrose, Bauernrose oder Garten-Stockrose

Die Steckrose gehört zu den Malvengewächsen. Sie ist eine schöne hohe Pflanze. Der Stängel steht steif aufrecht wie ein Stock; daher der Name. Die Wuchshöhen von 100 cm (1,00 m) bis 200 cm (2,00 m) erreichen kann. Der Stängel ist kräftig, an ihm entwickeln sich die großen, roten Malvenblüten. Die Blütezeit reicht je nach Standort von Februar bis Oktober. Die Blüten der Stockrosen werden vor allem von Hummeln angeflogen und bestäubt. Diese Blüten sind es auch, die medizinisch als Hustenmittel verwandt werden. Man gebraucht heute die Stockrose nur noch selten allein als Tee, meistens als Bestandteil fertiger Teemischungen. Hierfür ist sie besonders beliebt, weil die großen, dunklen Blüten auch im getrockneten Zustand noch recht ansehnlich wirken und dadurch dem Teegemisch eine besondere Note geben. Nicht zu verwechseln mit dem Malva-Tee, der sich heute als Hausgetränk eingeführt hat, er stammt von einem malvenähnlichen Gewächs, dem Hibiskus.

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Für den Garten: Eine sehr beliebte Pflanze, die gut aussieht, einen angenehmen Duft verbreitet und bei guter Pflege viel Spaß macht. Sie eignet sich auch zur Begrenzung von Gärten und für Staudenbeete. Es gibt zahlreiche Sorten der Stockrose mit einfachen und gefüllten Blüten in unterschiedlichen Farben.

Für die Naturmedizin ist sie heute nicht mehr interessant, weil es bessere Wirkstoffe von anderen Pflanzen gibt.

Naturheilpflanzen 49. Folge

Echte Schlüsselblume (Primula officinales) auch Frühlingsprimel oder Wiesenprimel, Frühlings-Schlüsselblume, Wiesen-Schlüsselblume, Arznei-Schlüsselblume und Himmelschlüssel.

Echte Schlusselblume

 

Zwei Schlüsselblumen wachsen bei uns wild, die als Heilpflanze infrage kommen: Die Frühlingsprimel in den Wäldern mit den größeren, schön goldgelben Blüten und die Wiesenprimel auf feuchten Wiesen, mit einer kleineren, mehr zusammenschließenden Blütenkrone von etwas hellerer, schwefelgelber Färbung, die Wuchshöhen von 8 cm (0,08 m) bis 30 cm (0,30 m) erreichen und meist in kleineren und größeren Gruppen anzutreffen sind. Die Blütezeit erstreckt sich von April bis Juni und diese werden von langrüsseligen Insekten wie Hummeln oder Faltern bestäubt. Die Schlüsselblume ist eine Pflanzenart, die zur Gattung der Primeln gehört. Der lateinische Name „Primula veris“ bedeutet übersetzt „die Erste des Frühlings“ (Primus = der Erste, ver = Frühling). Diese Art kommt in ganz Europa und Vorderasien vor. Als Standorte werden trockene Wiesen, lichte Wälder, Waldränder und Waldschläge insbesondere von Eichenwäldern oder auch Buchenwäldern bevorzugt. Sie ist von der Ebene bis zu einer Höhenlage von 1700 m (1,70 km) zu finden.

 

Als Heilpflanze: Schlüsselblumenblüten enthalten geringe Mengen an Saponinen und Flavonoide sowie ätherisches Öl. Gewonnen werden die Heilstoffe aus den Blüten und den Wurzeln und dienen zur Behandlung von Erkältung, Husten und Schnupfen. Frische, junge Schlüsselblumenblättchen können auch Salaten zugesetzt werden.

 

Im Volksglauben galt die Echte Schlüsselblume als Schutz- und Fruchtbarkeitsmittel. In der Mythologie zählte sie zu den Pflanzen, die von Elfen und Nixen geliebt und beschützt werden. Auch wird von einer Sagengestalt, der Schlüsseljungfrau, berichtet, die auf ihrer Krone einen großen goldenen Schlüssel trägt und der Pflanze die Gabe verleiht, verborgene Schätze aufzuspüren. Pflanzenteile wurden früher auch für Niespulver verwendet oder zum Ostereier färben.

 

Vom Sammeln der Pflanze sollte man absehen, da sie regional gefährdet ist und beispielsweise nach der deutschen Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt ist.

Naturheilpflanzen 48. Folge

Wermut (Artemisia absinthium) Wermutkraut, Bitterer Beifuß oder Alsem

„Man wird kaum ein besseres Magenmittel finden als den Wermut. Hat man also keinen Appetit und fehlt es an der Verdauung, so ist Wermut sehr am Platze. Bleiben Speisen im Magen liegen, so greift Wermut ein und hilft verarbeiten. Besonders ist er bei Appetitlosigkeit zu empfehlen. Er leitet die Magenwinde aus, verbessert und unterstützt die Magensäfte, mag er als Tee oder als Pulver genommen werden.“ Zitat von Sebastian Kneipp. Der Wermut ist eine krautige Pflanze mit Wuchshöhen von 40 cm (0,40 m) bis 60 cm (0,60 m), gelegentlich bis 150 cm (1,50 m). Die Pflanze erscheint oberirdisch gräulich-grün und duftet stark aromatisch. Die einzelnen Blüten sind gelb. Wermut kommt natürlich im Asien sowie in Nordafrika vor. Ursprünglich stammt er aus den Mittelmeerländern und hat sich wie Unkraut bei uns vermehrt. Er wächst bevorzugt auf trockenen oder auf sandig-tonigen Böden in der Nähe von Wasserläufen und ist in Höhen bis zu 3,5 Km (3500 m) zu finden. Wermut wird seit der Antike als Heilpflanze eingesetzt. Ihm wurden zahlreiche Wirkungen zugeschrieben, darunter die Förderung von Appetit, Verdauung und Menstruation, sowie Hilfe bei Kopfschmerzen, Gelbsucht und Entzündungen.

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Im alten Griechenland war die Pflanze der jungfräulichen Jagdgöttin Artemis geweiht und in Ägypten der Fruchtbarkeitsgöttin Bastet, wo sie auch als Liebeszauber eingesetzt wurde. Im Mittelalter wurde der Einsatz als Heilpflanze ausführlich beschrieben, die vor allem die äußerlichen Anwendungen betonte. Daneben wurde Wermut zur Abwehr von Mäusefraß an Büchern in Schreibtinte verwendet und gegen Motten in Kleiderschränke gehängt. Er galt außerdem als wirksames Abwehrmittel gegen Hexerei und dämonische Einflüsse und wurde bei verschiedenen Ritualen sowie in Kräutermützen gegen Schlaflosigkeit eingesetzt. Der lateinische Name Artemisia absinthium deutet auf die Namensgeberschaft der antiken Göttin Artemis. Einer Version aus der Bibel nach entsprang der Wermut auf dem Weg, den die Schlange bei der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies nahm.

Für den Garten: Ungeeignet. Nur derjenige der die Wirkstoffe ernten will, sollte sich mit Wermut befassen.

Naturheilpflanzen 47. Folge

Veilchen (Viola odorata) auch Märzveilchen oder wohlriechendes Veilchen

„Erfreue dich an den Wohlduft und dem herrlichen Blau manches schönen Veilchensträußchens! Verwahre aber auch einen kleineren Vorrat des Heilkräutchens in deiner Hausapotheke, dass es dem Kranken dufte noch zu einer Zeit, in der das Frühlingsblümchen längst verblüht ist!“ (Zitat von Sebastian Kneipp)
Es ist im Mittelmeergebiet bis hin zum Kaukasus und Kurdistan beheimatet und in weiten Teilen Europas eingebürgert. Im Garten wird es seit der Antike kultiviert, weil es sowohl im religiösen Ritus als auch in der Heilkunde schon sehr früh Verwendung fand. Spätestens seit dem frühen Mittelalter wurde es auch in Mitteleuropa als Heilpflanze angebaut. Das Duftveilchen ist vor allem wegen seines süßen Dufts bekannt. Es handelt sich um eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchsgrößen von 5 cm (0,05 m) bis 10 cm (0,10 m) erreicht. Die grasgrünen und geformten Blätter umgeben eine violette Blüte und sind schwach gekerbt. Vom Frühjahr an erscheinen die kleinen violetten Blüten und sind eine der ersten Blüten im Jahr.

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In der Heilmedizin bereitet man den Tee aus den Wurzeln durch kurzes Kochen und lässt die Flüssigkeit noch 10 Minuten ziehen. Das dadurch freigesetzte Saponin (eine Substanz aus der Wurzel) ist der Wirkstoff, der sich bei Husten lösend auf die Schleimhäute legt und uns hilft, das festsitzenden Sputum abzuhusten.

Für den Garten: Ein Veilchen in Ehren sollte jeder Garten- und Balkonbesitzer pflanzen bzw. aussäen und Er/Sie wird ihre Freude am Geruch und Aussehen haben.

Naturheilpflanzen 46. Folge

Spitzwegerich (Plantago lanceolata) auch Spießkraut, Lungenblattl oder Schlangenzunge

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Wenn die Leute im Land sich bei ihren Arbeiten verwunden, so suchen sie rasch Blätter vom Spitzwegerich und ruhen nicht mit Drücken und Kneten, bis das etwas störrige Blatt sich einige Tropfen auszwingen lässt. Diese bringen sie entweder direkt in die frische Wunde oder sie befeuchten damit ein Läppchen (Tuch, Lappen), das sie auf den wunden Teil aufbringen. “Man hat im Spitzwegerich Antibiotika gefunden. Das sind Wirkstoffe, welche – wie der Name bereits besagt – das Wachstum und damit das Leben von Mikroorganismen hemmen. Sie töten diese nicht immer ab, aber sie entziehen ihnen einen lebenswichtigen Bestandteil, sodass ihre Lebenskraft derart geschädigt wird, dass nun die eigenen Abwehrkräfte des Körpers wieder genügen, um die Bakterien restlos zu beseitigen. Man fand zuerst ein derartiges Antibiotikum in dem gewöhnlichen Schimmelpilz (Penicillium) und nannte es daher Penicillin. Der Spitzwegerich ist eine krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 5 cm (0,05 m) bis 50 cm (0,50 m) erreicht. Die verzweigte Wurzel kann bis zu 60 cm (0,60 m) in die Tiefe reichen. Die Blütezeit reicht von Mai bis September. Ursprünglich in Europa heimisch, ist der Spitzwegerich inzwischen weltweit verbreitet. Er kommt häufig in Fettwiesen, in Parkrasenanlagen an Wegen und in Äckern vor.

 

Anwendung und Wirkung: Er wird gegen Katarrhe der Luftwege und entzündliche Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut eingesetzt. Die Wirksamkeit der Droge ist hier durch die einhüllende Wirkung der Schleimstoffe sowie durch die antibakterielle Wirkung zurückzuführen. Ferner kann sie äußerlich bei entzündlichen Veränderungen der Haut, beispielsweise bei Insektenstichen, Brennnesseln, Neurodermitis verwendet werden oder auch bei sonstigen Entzündungen oder kleinen offenen Wunden.

Für den Garten ist die Pflanze nicht so geeignet, weil auch hier mehrere Pflanzen erst die nötige Menge ergeben, um sie für unsere Naturheilkunde zu verwenden.

Zur Herstellung von Teeaufgüssen werden die oberen Pflanzenteile (nicht die Wurzeln) gesammelt und getrocknet. Zur Herstellung von Spitzwegerichsirup kocht man die Blätter und Blüten zusammen mit Zucker und/oder Honig auf.

Übrigens: Das Wort Wegerich entstammt dem Althochdeutschen von wega = Weg und rih = König.