Ein Gedicht zum Herbst

Herbst 2014 Foto Harrybaer verkleinertBlätterfall

Der Herbstwald raschelt um mich her.
Ein unabsehbar Blättermeer
Entperlt dem Netz der Zweige.
Du aber, dessen schweres Herz
Mitklagen will den großen Schmerz:
Sei stark, sei stark und schweige!

Du lerne lächeln, wenn das Laub
Dem leichteren Wind ein leichter Raub
Hinabschwankt und verschwindet.
Du weißt, dass just Vergänglichkeit
Das Schwert, womit der Geist der Zeit
Sich selber überwindet.

 

Christian Morgenstern

Deutscher Dichter, Schriftsteller und Übersetzer

6. Mai 1871 – 31. März 1914

 
Quelle: www.aphorismen.de
Foto: © Harrybär 2014

Es war ein solcher Vormittag

Aal Europaeischer OriginalEs war ein solcher  Vormittag,
wo man die Fische singen hörte,
kein Lüftchen lief, kein Stimmchen störte,
kein Wellchen wölbte sich zum Schlag.

Nur sie, die Fische, brachen leis
der weit und breiten Stille Siegel
und sangen millionenweis'
dicht unter dem durchsonnten Spiegel.

Christian Morgenstern  

Deutscher Dichter

6. Mai 1871 - 31. März 1914

Quelle: www.schule-und-familie.de/gedichte-fuer-kinder/sommergedichte.html

Bild: Europäischer Aal - wikipedia, Pmx (CC-BY-SA 3.0)

Ein Federchen flog durch das Land

Nilpferd verkleinertEin Federchen flog durch das Land;

Ein Nilpferd schlummerte im Sand

 

Die Feder sprach: „Ich will es wecken!“

Sie liebte, andere zu necken.

 

Aufs Nilpferd setzte sich die Feder

Und streichelte sein dickes Leder.

 

Das Nilpferd sperrte auf den Rachen

Und musste ungeheuer lachen.

 

 

 

Joachim Ringelnatz

 

Deutscher Schriftsteller und Kabarettist

 

7. August 1883 - 17. November 1934

 

Bild: wikipedia, Scott Harrison (CC-BY-SA 3.0)

Hodja Nasreddin

 2015 Hodja001
 
Eines Tages kam Hodja Nasreddin (türkisch: Hoca Nasrettin) in ein abgelegenes Bergdorf. Es lag im fernen Anatolien. In der Dorfschule war der Dorflehrer erkrankt. Der Bürgermeister fragte also den Hodja, ob er nicht den Lehrer für eine Woche vertreten könnte. Hodja sagte zu.

Dann kam der erste Tag. Hodja bat die Schüler eine Geschichte auf dem PC zu schreiben und zu gestalten. Achmed und Aische gaben sich dabei besondere Mühe. Sie gestalteten fast jedes Wort anders und nutzten auch alle Möglichkeiten, die ihnen das Programm bot.

In der nächsten Stunde guckte sich Hodja die Arbeiten der Schüler an. Da sich Achmed und Aische besonders bemüht hatten, bat Hodja sie eine der Arbeiten vorzutragen. Sie durften wählen.

Achmed und Aische wählten die Arbeit von Gülschan. „Warum habt Ihr denn nicht eure Geschichten ausgewählt?“, fragte Hodja erstaunt.

„Die Geschichte von Gülschan ist in gut lesbarer Schrift geschrieben und deshalb auch viel einfacher zu lesen“, sagte Achmed.

Ein lustiges Gedicht zum Freitag, den 13.

Freitag der Dreizehnte ClipartMein Bett verlass ich heute nicht.
Nehme mir frei, werde nichts tun.

Schaut mir die Sonn´ auch ins Gesicht,
heut´ werde ich mich nur ausruhen...

Ich beuge vor, als Pessimist,
weil Freitag, der Dreizehnte, ist.

An solchem Tag bleibe daheim,
nur Schlimmes kann geschehen.

Fährst du in einen Wagen rein,
schon hat ´s die Polizei gesehen...

Drum bleib daheim, sei Pessimist,
wenn Freitag, der Dreizehnte, ist.

Im Bette machst du keine Fehler.
Du schläfst und träumst von einer Welt,
in der ´s nicht Diebe gibt und Hehler,
wo alles bestens ist bestellt...

Wie gut hat es der Pessimist,
wenn Freitag, der Dreizehnte, ist.

Doch dann kommt irgendwann die Stunde,
in der es dich zum WC treibt.

Und ist es nur die kleine Runde,
sie groß dir in Erinnerung bleibt.

Gestürzt, gerutscht, brachst dir ein Bein,
dann schnell ins Krankenhaus hinein...

Warum passiert dir solch ein Mist?
Weil Freitag, der Dreizehnte, ist!

Rainer Tiemann (RT 2007)

Bildquelle:   www.animaatjes.de